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Wie sinnvoll sind Linkshänder-Blockflöten?

Es gibt Gerätschaften, die so stark auf eine rechtshändige Bedienung ausgerichtet sind, dass Linkshänder mit ihnen Schwierigkeiten haben. Dazu gehören z. B. Werkzeuge, bei denen es auf den Schliff ankommt, wie Scheren, Dosenöffner, Anspitzer u.ä. Aber auch viele andere Gegenstände des täglichen Gebrauchs (Geldbörsen, Füller, Schreibmappen u.a.) lassen sich für den linkshändigen Gebrauch optimieren, und so gibt es mittlerweile einen eigenen Markt mit Produkten, die ganz auf die Bedürfnisse der Linkshänder zugeschnitten sind.

Natürlich stellt sich auch für linkshändige Musiker die Frage, wie sie ihr Instrument spielen sollen. Für Blockflötisten früherer Zeiten war dies kein Problem, denn viele Flöten hatten ein doppeltes unterstes Tonloch, so dass der Spieler sich aussuchen konnte, welche Hand oben und welche unten auf der Flöte liegen sollte. Das überzählige Loch brauchte dann nur, z. B. mit Wachs, verstopft werden. (s. unten)

Wie ist es heute? Brauchen Linkshänder spezielle Blockflöten? Wir sind der Ansicht, dass es dafür keinen Grund gibt: Beim Blockflötespielen sind beide Hände gleichermaßen für die Abdeckung von je vier Tonlöchern zuständig, und schwierige Griffverbindungen gibt es für beide Hände. Fast könnte man sagen, dass Linkshänder bei der Blockflöte sogar etwas im Vorteil sind, denn die diffizile Fingertechnik beim Überblasen muss ganz allein der linke Daumen bewältigen. Die Blockflöte ist also eher ein Instrument für „Beidhänder”. Das ist sicher der Grund dafür, dass sich Linkshänderblockflöten nicht durchgesetzt haben und nur im Anfängerbereich der Sopranblockflöten ein Schattendasein führen.

Wer auf der Linkshänderflöte lernt, muss später mit Nachteilen rechnen:
• Er wird immer auf sein eigenes, speziell für ihn angefertigtes Instrument angewiesen sein.
• Er wird seine Instrumente nicht aus einer Vielzahl von Blockflöten aussuchen können.
• Der Second-Hand-Markt für Blockflöten wird ihm verschlossen sein.
• Im Ensemble wird er nicht flexibel auf die Besetzungserfordernisse reagieren können, es sei denn, er hat selbst genügend eigene Instrumente oder er spielt in einem Linkshänder-Ensemble, so dass der übliche Blockflötentausch möglich ist.

Wer jedoch auf eine Linkshänderflöte nicht verzichten will, der findet sie im Angebot der Firma Moeck bei den Schulblockflöten.

Die floeten haben gmainlich unde zway locher gleich gegen einander stan/und die macht man darum gleich gege einander/dan ettliche pfeiffer die sindt gewonet/Die recht handt oben und die linck handt unden auff der pfeiffen zu haben/unnd die selben machen das loch auff der rechte seytten zu mit wags/Ettliche synde gewonet/das sye die linck handt obe/und die recht unden haben/unnd dye machen dann das loch mit wachs auff der lincken seytten zü/Also werden die zway locher darum gleich gemacht das sie ey nein iettlichen/er sey lincks oder rechts gebreülich mogen sey...
aus: Sebastian Virdung: Musica getuscht (1511), Faksimile-Nachdruck hrsg. von Klaus Wolfgang Niemöller, Bärenreiter 1970